Über viele Jahre gehörten Altkleidercontainer zum Ortsbild. Auch wenn diese gelegentlich dem Feuerteufel zum Opfer fielen und die Sauberkeit im Umfeld eigentlich schon immer ein Ärgernis darstellte, so galt der Einwurf von gebrauchten Textilien gemeinhin dem guten Zweck. So ganz zutreffend war diese Ansicht eigentlich schon länger nicht, denn es gibt schlicht mehr alte Wäsche als Bedürftigkeit. So wurden aus großen Teile der Sammlung eher Putzlappen oder wurden diese zur Wärmeerzeugung verbrannt. Der Aufwand für sortieren, aufbereiten und transportieren der Materialien nahm deutlich zu und war schon längere Zeit nicht mehr kostendeckend zu organisieren. Hinzu kamen hohe Anteile minderwertiger Fasern, die zwar preiswert in Asien produziert aber nur schwer verwertet werden können. Nicht zuletzt schlägt der Missbrauch des Systems zu Buche. Auch bei uns im Ort gelten regelmäßig Matratzen, Federbetten, Kinderspielzeug oder gebrauchte Windeln als wertvolle Kleiderspende.
Mit der Novellierung der europäischen Abfallrahmenrichtlinie im letzten Jahr hat sich die Situation für die Textilverwerter nochmals verschärft, denn Art und Umfang der zu recycelnden Textilien wurde deutlich ausgeweitet. Die hierfür notwendigen Verwertungskapazitäten sind nicht vorhanden und auch technische Verfahren müssen erst entwickelt werden. Dies kostet Zeit und Geld. Der hastige Rückzug der Verwerter und der Abtransport der Sammelcontainer ist eine Folge davon.
Mit dem nun durch die Abfallentsorgung unseres Landkreises gestartete Konzept eines Alttextil-Sammelmobils wird zumindest eine Übergangslösung geschaffen. Perspektivisch sollen die Kosten des Textilrecyclings, von der Sammlung bis zur Verwertung, bereits beim Kauf erhoben werden. Wie schon bei der Kunststoffindustrie sollen auch hier die Hersteller direkt in die Verantwortung genommen werden. Bis es soweit ist, müssen minderwertige Textilien weiterhin dem Restmüll und damit der thermischen Verwertung zugeführt werden. Im Zweifel die Alttextilien einfach auf den Berg zu werfen mag günstig erscheinen. Entsorgen muss den Müll aber unser Team vom Bauhof. An nur einem Tag kam dabei fast eine Tonne an Alttextilien zusammen. Personal-, Transport- und Entsorgungskosten summierten sich allein für diese Maßnahme auf gut 1.000 Euro. So fehlt uns nicht nur die Zeit für andere Arbeiten im Ort sondern auch das Geld für Verschönerungen und Reparaturen.
Billig zahlt sich am Ende nicht aus. Vielleicht ein guter Grund, schon beim Einkauf wieder auf Qualität und Langlebigkeit zu setzen.
Ihr Bürgermeister
Marco Rutter